Kompasskunde

Einführung

Die Erde, bekanntlich kugelförmig, hat einen riesengrossen Magneten in sich. «Oben» ist der Nordpol und «unten» ist der Südpol. Wenn wir nun eine magnetisierte Nadel so lagern, dass sie sich frei drehen kann, wird sie sich so ausrichten, dass der Südpol der Nadel nach Norden zeigt und der Nordpol nach Süden. Diese Entdeckung ist nicht etwa neu, schon die alten Chinesen verwendeten dieses Hilfsmittel zur Navigation. Dummerweise liegt der riesige «Erdmagnet» leicht schief in der Kugel. Die Abweichung vom geographischen Nordpol zum magnetischen Nordpol nennt man Deklination. Der aktuelle Wert ist jeweils auf den Landeskarten am unteren Rand angegeben. Für unsere Zwecke muss sie nicht berücksichtigt werden (Wieso wohl?). Ein zweiter Fehler, der weitaus grössere Folgen mit sich ziehen kann, heisst Deviation. Hinter dem Begriff versteckt sich die Möglichkeit, dass die Kompassnadel noch durch andere Magnetfelder abgelenkt werden kann. Eisen- oder Nickelgegenstände, Starkstromleitungen und Trafostationen helfen uns beim Verirren. Falls der Kompass direkt neben einem starken Magneten (Lautsprecherbox) aufbewahrt wird, kann sich die Nadel auch ganz umpolen. Der Kompass würde unbrauchbar.

Einteilungen

Bei uns sind drei verschiedene Kreiseinteilungen bekannt. Die Grad, Neugrad und Artilleriepromille. Ein ganzer Kreis hat 360° (Grad), 400 Neu° oder 6400 A‰. Die 360 Grad sind die älteste und am weitesten verbreitete Einteilung. Sie sind recht ungenau. Damit sie noch genauer werden, hat man 1° in 60' (Minuten), 1' in 60'' (Sekunden) eingeteilt. Die Neugrad wurden bei der Französischen Revolution eingeführt. Man war der Meinung, dass alles auf einem 100er System aufbauen soll. Da die ganze Mathematik bereits auf der 360er Teilung aufbaut, fand diese Einteilung bis heute nur wenige Liebhaber. Für uns die wichtigste Teilung, obwohl wir normalerweise friedlich gestimmt sind, sind die Artilleriepromille. Der Name verrät uns bereits die Herkunft: Die Artillerie. Wenn man um eine Kanone einen Kreis mit dem Durchmesser von 1 km zieht, so entspricht eine Drehung des Geschützes um ein A‰ der Verschiebung des Treffers um 1 m auf der Kreislinie. Das Umrechnen der drei Arten geschieht entweder mit dem Dreisatz oder mit dem Bruchrechnen, z.B. 90° sind 1/4 von 360°, 1/4 von 6400 A‰ sind 1800 A‰.

Azimut

Als Azimut bezeichnet man die Abweichung vom Nordpol zur Marschrichtung. Zusammen mit der Angabe des Startpunktes und der Distanz bezeichnet es einen Punkt genau. Beim Bestimmen des Azimutes auf der Karte gehen wir folgendermassen vor:

  1. Bestimmen des Start- und Zielpunktes.
  2. Ausrichten des Kompasses (Seite) auf der Geraden.
  3. Einstellen der Magnetnadeldose anhand der darin eingezeichneten Linien (Norden-Süden) entlang den Ordinatenlinien (Nor-Süd-Koordinatenlinien). Unbedingt darauf Achten, dass der Nordpol (rot, zwei Leuchtmarkierungen) mit dem Norden der Karte übereinstimmt.
  4. Ablesen des Wertes
  5. Abmessen der Strecke zwischen Ausgangs- und Zielpunkt
  6. Sicherstellen, dass Startpunkt klar ist.
  7. Angeben nach folgendem Muster: Posten zwei: 1850 A‰, 500m (zusätzlich kann noch in Klammern eine genauere Bezeichnung des Zieles angegeben werden wie z. B. Haus, Kreuzung usw.)

Beim Übertragen des Azimutwertes in die Karte verfährt man analog dem Bestimmen. Der Wert wird eingestellt, der Kompassrand an den Startpunkt gehalten, das Gitter in der Magnetnadeldose nach Norden ausgerichtet und dann die Gerade entlang des Kompassrandes verlängert. Die Distanz wird abgemessen und nun ist der Punkt wieder eindeutig bestimmt.

Das Bestimmen des Azimutes und das Zurückübertragen kann auch direkt im Gelände geschehen. Vorteilhafterweise verwendet man hierzu einen Recta Kompass (Marschkompass, Bussole). Das Vorgehen bleibt prinzipiell gleich. Statt auf dem Koordinatennetz wird die Nordrichtung mit der Magnetnadel bestimmt. Der Zielpunkt wird anvisiert und die Magnetnadeldose solange gedreht, bis der rote Teil der Nadel zwischen den beiden Leuchtmarkierungen steht. Das Bestimmen der Distanz geschieht durch Schätzen. Das genaue Ziel ist mit Worten zusätzlich zu umschreiben. Beim übertragen des Wertes wird auch erst der Wert eingestellt und dann dreht man sich mit dem Kompass bis der rote Teil der Nadel zwischen den Markierungen ist. Natürlich ist diese Methode ungenauer, aber zum Beispiel auf einem Postenlauf, wenn ihr eine zweite Gruppe suchen müsst (Morsen!) sicher die einfachere.

Standortbestimmung («Rückwärts Einschneiden»)

Falls ihr euch mal verirrt, so bietet Karte und Kompass die Möglichkeit, den Pfad wieder zu finden. Im Gelände sucht ihr einfach zwei, besser drei markante Punkte wie zum Beispiel eine Kirche, eine Ruine, ein Aussichtsturm usw. Von jedem dieser Punkte bestimmt ihr nun die Azimute und überträgt sie auf die Karte. Die Seitenkante des Kompasses wird an den bestimmten Punkt gehalten, die Linien in der Magnetnadeldose nach Norden ausgerichtet und dann die Gerade entlang der Kante durch den Punkt verlängert. Wo sich alle Linien schneiden (Im Idealfall im 90° Winkel) befindet ihr euch. 

Geländepunktbestimmung («Vorwärts Einschneiden»)

Wenn ihr einen Punkt im Gelände auf der Karte genau einzeichnen oder identifizieren wollt, könnt ihr Euch dieser Methode bedienen. Dies kann der Fall sein, wenn ihr ein Berggipfel, eine Ruine oder einen anderen Punkt bestimmen möchtet. Du musst dann einfach die Azimute des Punktes  von zwei verschiedenen Standorten aus bestimmen und auf die Karte übertragen. Da wo sich beide Geraden schneiden, ist der gesuchte Punkt.

Nupsi