Material-Tipps fürs Pfadilager (Teil 1)
Einleitung
Auf diesen zwei (langen) Internetseiten möchte ich euch ein paar Tipps zum Kauf der Ausrüstung fürs Pfadilager und andere Campingtouren liefern. Die Seiten wenden sich insbesondere an jene, welche mit der Ausrüstung für die Pfadi noch nicht so vertraut sind und an Eltern, welche diese Dinge kaufen.
Welche Ausrüstung?
Unsere Aktivitäten (Pfingstlager, Sommerlager, Weekends, Übungen) lassen sich scheinbar nur noch mit Topausrüstung ausüben (die natürlich ihren Preis hat), so jedenfalls sehen es viele Hersteller und Verkäufer. Aber natürlich hat die Pfadi schon existiert, als es noch kein Gore-Tex oder Vibram gab und Marken noch keine so wichtige Rolle gespielt haben.
Materialstelle
Unsere Materialstelle führt die Produkte von hajk, der Pfadimaterialstelle. Bei unserer Materialstelle kannst du alle hajk-Produkte an- und ausprobieren und dich beraten lassen. Die hajk-Produkte sind Markenprodukte. Durch das Weglassen der Original-Herstelleretikette untersteht hajk keiner im Fachhandel üblichen Preisbindung. Das Resultat sind faire, konkurrenzlose Preise und sehr gute Qualität. Mit unserer Materialstelle Kontakt aufnehmen.
Das Zwiebelschalenprinzip
Wie eine Zwiebel, baut sich auch die Bekleidung schichtenförmig auf. Jede Schicht übernimmt die Funktion einer besonderen Haut und somit eine ganz besondere Aufgabe. Wollen wir uns gegen Kälte schützen, bedingt dies natürlich ganz anderer Materialien als bei Nässe. Je nach auftretender Situation verwendest Du nun eine besonders geeignete "Schutzhaut".
Der Aufbau der Schichten
- Die 1. Haut: - meist die Unterwäsche - liegt direkt auf der Haut und soll in erster Linie den Schweiss von der Haut wegführen und so eine Auskühlung verhindern.
- Die 2. Haut: soll die Körperwärme erhalten und die Feuchtigkeit nach aussen hin wegtransportieren.
- Die 3. Haut: liegt zu äusserst und soll Schutz bieten gegen Wind, Wasser und mechanische Beanspruchung.
1. Haut
Zweck
Die unterste Schicht, die man direkt auf der Haut trägt, ist die Unterwäsche. Ihr kommen besondere Funktionen zu:
- Wärmeisolation
- Schutzschicht gegen Reibung (z.B von rauhen Kleidungsstücken)
- Schweisstransport (weg von der Haut)
Verwendete Materialien und deren Eigenschaften
In den meisten Fällen ist es nicht notwendig sich sog. Spezialunterwäsche für etwelchen Zweck zu besorgen, es genügt eine geschickte Auswahl an "normalen" Materialien. In aller Regel genügt es auch, die Unterwäsche fleissig zu wechseln.
Natürliche Materialien
Wolle
positiv
- feuchtigkeitsdurchlässig
- wärmt auch noch im feuchten Zustand
- altbewährt vor allem für die Übergangszeit und im Winter
negativ
- trocknet relativ langsam
- mit Vorteil nur Handwäsche
- schwerer und voluminöser als Kunstfaser
Baumwolle
positiv
- feuchtigkeitsausgleichend
- strapazierfähig
- hautfreundlich
- pflegeleicht
- relativ preisgünstig.
- "Standartmaterial", eignet sich vor allem für die warme Jahreszeit
negativ
- trocknet relativ langsam
- relativ schwer
"Synthetics" (Kunstfaser)
mit vergleichbaren Eigenschaften sind z.B:
Polypropylen (PP), Polyester, Nylon, Capilene oder Chlorofiber
positiv
- sie nehmen kaum Wasser auf
- trocknen relativ schnell
- leiten Feuchtigkeit schnell ab
- wirken wärmeisolierend.
negativ
- "stinken" relativ schnell
- führen auch mal zu "Wolf"
- kombiniert mit einer zweiten, feuchtigkeitsausgleichenden Schicht wirken sie am besten.
- Je nach Fabrikat relativ teuer. In der Regel nur bis 30°C waschbar.
2. Haut
Die zweite Schicht hat folgende Aufgaben:
- Wärmeisolation
- Körperfeuchtigkeit der ersten Schicht übernehmen
- im Sommer: meist bereits die etwas wind- und wasserabweisende Aussenschicht.
Hemd, Hose...
Kauftipp Socken
- eine Mischung aus Wolle und Synthetik ist ideal bezüglich Blasenverhinderung, schnellem Trocknen, Wärmeerhalt und Polsterung
- achte auf gute Passform ohne Faltenbildung und unnötige Nähte
- für Leute mit hoher Neigung zu Blasenbildung hilft eine dünne Untersocke (z.B. aus Seide), kalte Bäder sowie ein präventives Heftpflaster an der bekannten Stelle
Normalerweise genügen bei unseren Aktionen Jeans und Baumwoll-Pullover. Es drängt sich äusserst selten auf, sich hier eine eigentliche Spezialkeidung zuzulegen. Am ehesten lohnt sich bei Vielgebrauch eine Trekkinghose oder die bewährten "Kampfhosen", die bei unserer Materialstelle bezogen werden können (Preis ca. 60 Fr.). "Kampfhosen" sind graue, weit geschnittene Hosen, wodurch die Gefahr des "Wolfs" vermindert wird.
"Wolf"
Wer einmal ein Wanderlager mit schlecht sitzenden Jeans - vielleicht auch bei strömendem Regen - durchmachte, hat vielleicht auch Bekanntschaft mit dem gefürchteten "Wolf" gemacht. Ein bewährter Trick dagegen ist das Tragen von sog. "Tights" - dünne Nylonhosen, welche zudem wärmeisolierend wirken, aber trotzdem auch bei starkem Schwitzen trocken bleiben.
Pulli, Faserpelz...
Tipps beim Kauf
Achte auf folgende Punkte:
- Es gibt dickere und dünnere Faserpelze, was sich auch direkt auf den Preis auswirkt.
- Der Reissverschluss ist oftmals eine Schwachstelle...(Grobe Ausführung ist eher zu bevorzugen)
- Die verwendeten Materialien zeichnen sich durch Qualitätsunterschiede und z.T. besondere Eigenschaften (z.B. Wind dichtigkeit) aus. Es lohnt sich, einen Markenartikel anzuschaffen!
- Ein wesentlicher Nachteil liegt in der nur geringen Winddichtigkeit - eine Windjacke drängt sich also geradezu auf - zudem sind die besseren Modelle auch relativ teuer: ca. ab 150.- bis 350.-
Auch wenn's der altbewährte Wollpullover meist noch tut, so haben sich in den letzten Jahren doch die sog. "Faserpelz- Fabrikate", - landläufig auch unter dem Kürzel HELLY HANSEN bekannt - durchgesetzt. Die Auswahl an verschiedenen Modellen und Marken ist enorm.
Die Vorteile der Kunstfaser gegenüber der Wolle sind nicht zu übersehen:
- bessere Wärmeisolation bei vergleichbarem Gewicht und Volumen
- wärmt auch noch in nassem Zustand
- gerät auch nach mehrmaligem Waschen nicht aus der Form
- in aller Regel sehr strapazierfähig
3. Haut
Die dritte Schicht (Wetterschutzschicht) hat folgende Aufgaben:
- Schutz vor auskühlenden Winden
- Schutz vor durchnässenden Niederschlägen
Jacke...
Kauftipp Reise- und Freizeitjacke
- die Jacke soll dich angenehm kleiden
- sie soll dich vor Wind, Sonne und leichtem Regen schützen
- ein Mischgewebe aus Baumwolle / Polyester oder vollsynthetisches Gewebe ist leichter, dauerhafter und pflegeleichter als reines Baumwollgewebe
- in sonnigen Gebieten: eine Jacke mit UV-Schutzschicht auswählen.
Auswahl
Jacke ist nicht einfach Jacke. Du musst Dir vor allem überlegen, wozu Du sie am ehesten brauchst. Je nachdem kannst Du Dir gewisse Auslagen sparen. Für unsere Zwecke lohnt es sich, eine Jacke nach dem Zwiebelschalenprinzip auszuwählen. D.h., dass es sich wahrscheinlich um eine Allround-Jacke handelt, die sowohl Regen wie auch Wind abhält. Den Kälteschutz bewirken wir durch das darunter, d.h durch entsprechendes Tragen eines Pullovers oder Faserpelzes.
Auf diese Details kommt es beim Kauf einer Regenjacke an:
Kaputze
- Soll gross genug sein und allenfalls ein Dächli haben
- Gute Kaputzen lassen sich rund ums Gesicht und hinten zusammenziehen
- Kaputze soll sich mit dem Kopf mitdrehen (wichtig beim Velofahren)
Schulterpartie
- Eine Naht auf der Schulter stört, wenn Du viel mit einem Rucksack unterwegs bist.
- Die Schulterpartie soll besonders abriebfest sein.
Taschen
- Die Reissverschlüsse der Taschen sollen abgedeckt sein, sonst wird der Inhalt der Taschen nass
- Wenn Du einen Rucksack mit Hüftgurt hast, sollten die Taschen weiter oben angebracht sein, weil sonst der Hüftgurt auf die Taschen drückt.
Reissverschluss
- Der Front-Reissverschluss muss von links und von rechts abgedeckt sein.
- Zwei-Weg-Reissverschlüsse, welche sich von oben und von unten öffnen lassen, sind praktisch beim Velofahren oder Klettern.
Nähte
- Alle Nähte müssen mit Bändern abgedeckt sein. Kontrolliere das auf der Innenseite der Jacke.
Unterarmbelüftung
- Ein Reissverschluss unter den Armen kann sehr nützlich sein.
- Lüftungsschlitze im Rückenteil nützen nur, wenn Du keinen Rucksack trägst.
Kragen
- Er soll hoch und bis zu oberst verschliessbar sein.
- Der Reissverschluss soll auf der Innenseite abgedeckt sein, damit er nicht am Hals scheuert.
Rückenteil
- Ein verlängertes Rückenteil schützt das Gesäss besser bei Regen, die Beinfreiheit bleibt trotzdem erhalten.
Ärmel
- Die Ärmel müssen lang genug sein, auch wenn Du die Arme seitlich oder nach vorne ausstreckst.
- Praktisch sind Ärmelbündchen, welche sich per Klettverschluss verstellen lassen.
Bezeichnungen
- "water-repellent" und "water-resistant" bedeutet, dass die Jacke wasserabstossen ist, bei einem Niesselregen bleibst Du trocken.
- "water-proof" hingegen bedeutet, dass die Jacke wasserdicht ist und Du auch bei längeren Regengüssen trocken bleibst
Quelle: J+S-Broschüre Ausrüstung, hajk-Katalog '95

