Erste Hilfe

Die folgenden Aufgaben wurden an einer Aufnahmeprüfung für den J&S Leiterkurs I gestellt. Wie du siehst, sind sie nicht schwierig. Du hast sie bestimmt schon tausendmal im Hock mit deinem Fähnli geübt. Erstaunt hat mich deshalb an jenem Prüfungstag, wie oft bei einem Druckverband zum Beispiel die ersten Massnahmen zur Blutstillung, wie das Hochhalten und der Fingerdruck, vergessen wurden. Auch bei den Verbänden sah ich mehr «Grossmütter» als korrekte Samariterknoten. Doch sind gerade diese «Kleinigkeiten» enorm wichtig. Überprüfe dich selber. Hättest du an alle Schritte gedacht?

A. Dein Patient blutet stark aus einer Wunde am Unterarm. Stille die Blutung mit Hilfe eines Druckverbands.

1 Knochen

2 Wundgebiet

3 Kompresse

4 Erstes Druckpolster

5 Zweites Druckpolster

6 Binde

 

  • 1. Patienten flach lagern und blutenden Körperteil hochhalten. Bereits diese einfache Massnahme bringt ein deutliches Nachlassen des Blutflusses mit sich, was auch das Anlegen eines Druckverbandes erleichtert.
  • 2. Fingerdruck auf die herzwärts führende Schlagader: Am Oberarm auf der Innenseite in der Furche zwischen Beuge- und Streckmuskel die Ader mit vier Fingern gegen den Knochen drücken. Bei Blutungen am Bein Oberschenkelschlagader in der Leiste mit beiden Daumen gegen das Schambein drücken.
  • 3. Druckverband anlegen:

    a) Wunde mit steriler Kompresse bedecken. Bei sehr starken Blutungen ist es nicht wesentlich, ob die Wundbedeckung steril ist.

    b) Längliches, möglichst hohes Druckpolster aus weichem und saugfähigem Material (Stoff) auflegen.

    c) Druckpolster mit einer Binde befestigen. Dabei keine venöse Blutstauung (blaue Verfärbung des körperfernen Gliedes) verursachen.

    d) Falls nötig einen zweiten Druckverband direkt über dem ersten anlegen. Das zweite Druckpolster kann aus festem Material bestehen.

  • 4. Verletztes Glied hochlagern und ruhigstellen. Patienten überwachen.

    Übrigens: Erwachsene können bis zu einem Liter Blut verlieren, ohne dabei in Lebensgefahr zu geraten. Grosse Blutverluste bewirken aber häufig Schockzustände.

    Du magst einst gelernt haben, extrem starke Blutungen durch Abbindung zu stillen. Abbinden kann hie und da lebensrettend sein, ist aber ein folgenschwerer Eingriff, gefährlich und schmerzhaft. Denn durch das Abbinden erhält der abgebundene Körperteil kein Blut mehr und das Gewebe stirbt wegen Sauerstoffmangel langsam ab. Wir lehren diese Technik in der Pfadi deshalb nicht mehr.

     

B. Dein Patient hat seine Hand verletzt. Schütze sie mit einem Dreiecktuch-Verband.

Die Bildfolge zeigt dir genau, wie du den Verband anlegen musst. Achte darauf, dass du einen korrekten Samariterknoten machst und die Spitze des Dreiecktuches darin einknotest. So bleibt der Verband stabil und der flache Knoten drückt nicht.

Übrigens: Exakt denselben Verband kannst du auch am Fuss benützen.

 

C. Stabilisiere den Arm deines Patienten mit einer Armschlinge.

  • 1. Die Spitze des Dreiecktuches unter den Ellbogen legen.
  • 2. Oberen Zipfel über die Schulter der verletzten Seite und um den Nacken führen.
  • 3. Unteren Zipfel um den Unterarm zum oberen Zipfel führen und mit einem Samariter verknoten.
  • 4. Spitze am Ellbogen eindrehen und verknoten, damit der Arm nicht herausrutschen kann.

 

Übrigens: Dreiecktuchverbände eignen sich vor allem zum Abdecken eines grossflächigen Wundgebietes, das damit vor weiterer Verschmutzung geschützt wird. Meist werden sie in der Ersten Hilfe benützt und später durch definitive Verbände ersetzt.

Hast du gewusst, dass man mit der Pfadikravatte auch viele andere Körperteile (zum Beispiel Kopf, Stirn, Kinn, Schulter, Ellbogen, Unterarm, etc.) effizient verbinden kann?