Zecken - Risiko im Griff

Kürzlich als ich nach Hause kam und den Fernseher einschaltete, bekam ich gerade noch den Schluss eines Beitrages über Zeckenstiche in Verbindung mit einer Hirnhautentzündung mit. Es lief mir kalt über den Rücken, als ich mit erinnerte, wie oft Haustiere einige dieser kleinen Spinnentiere mit sich herumtragen. Kurz entschlossen vereinbarte ich am darauffolgenden Tag einen Termin mit meinem Hausarzt für eine Schutzimpfung, doch die mühsame Spritze blieb mir erspart! Durch meinen Arzt erfuhr ich, dass ich nicht der einzige Pfadi war, der sich für das bevorstehende Sommerlager schützen wollte. Er informierte mich auch über Problemgebiete, Arten der Infektion und Impfung. Im folgenden möchte ich euch die unnötige Besorgnis um Zeckenstiche nehmen und einige Vorsichtsmassnahmen aufzeigen.

Wie schon gesagt gehört der Holzbock (Ixodes ricinus), besser bekannt als Zecke, zu den Spinnentieren und nicht etwa zu den Insekten. Zecken kommen in ganz Europa vor, wegen des hohen Luftfeuchtigkeitsbedarfs aber nur in Wäldern mit viel Unterholz sowie Gebüschen unterhalb von max. 1200 m.ü.M. Die meisten Zeckenstiche bleiben ohne Folgen, dennoch kann die Zecke hauptsächlich zwei Erreger übertragen: die Lyme Borreliose und die Frühsommer-Meningoenzephalitis.

Lyme Borreliose (LB)

Die Krankheit Lyme Borreliose wird durch ein Bakterium (Borrelia burgdorferi) ausgelöst und kann in drei Stadien auftreten: Im ersten Stadium entwickelt sich innerhalb von Tagen bis Wochen um die Einstichstelle eine Rötung, die sich langsam kreisförmig ausbreitet bis zu mehr als 50 cm (siehe Bild rechts). Gleichzeitig können Symptome wie bei einer Grippe auftreten (Kopfschmerzen, Glieder schmerzen, Fieber, Abgeschlagenheit). Vom zweiten Stadium sind nur wenige Patienten betroffen. Innerhalb von Wochen bis Monaten können Erkrankungen des Nervensystems auftreten. Im dritten, ebenfalls seltenen Stadium können chronische Gelenkbeschwerden auftreten.

Träger des Bakteriums sind zwischen 5 - 30% aller Zecken. Diese sind in allen Regionen der Schweiz anzutreffen. Etwa bei jedem zehnten Stich mit einer ver seuchten Zecke erfolgt eine Übertragung auf den Menschen, doch nur etwa jeder dritte erkrankt anschliessend an LB. Daraus lässt sich ableiten, dass nach einem beliebigen Zeckenstich das Risiko zu erkranken maximal 1:100 beträgt. Da es sich um eine durch ein Bakterium verursachte Krankheit handelt, ist keine Impfung möglich, die Krankheit kann jedoch mit Antibiotika problemlos behandelt.

Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME)

Das Besondere an dieser Erkrankung ist, dass die sie verursachenden Viren nur in Zecken an ganz bestimmten Orten vorkommen (siehe weiter unten). Ausserhalb dieser Orte besteht kaum Infektionsrisiko. Die FSME (=Hirnhautentzündung) verlauft in zwei Phasen: Wenige Tage bis Wochen nach der Infektion treten Beschwerden wie bei einer Grippe auf. Bei einem sehr kleinen Teil der Infizierten (ca. 5%) befallen die Viren ca. eine Woche später das zentrale Nervensystem. In seltenen Fällen (ca. 1%) kann die Krankheit zum Tod führen. In der Schweiz erkranken jährlich zwischen 15 und 100 Menschen an FSME, im Schnitt stirbt einer an der FSME (neben geschätzten rund 80'000 anderen Todesfällen!).

Impfung gegen FSME

Gegen die FSME kann man sich impfen lassen, eine Impfung ist jedoch nur sinnvoll für Personen, die sich regelmässig in Wäldern aufhalten, in denen die Zecken das Virus in sich tragen. Die Impfung besteht aus zwei Grundimmunisierungen im Abstand von einem Monat und einer Wiederholungsimpfung nach einem halben Jahr. Angesichts des komplizierten Impfvorgangs und der niedrigen Ansteckungsgefahr ist eine Impfung nur für ein Sommerlager kaum sinnvoll und nur für jene zu empfehlen, die auch sonst häufig draussen im Wald sind und sich in einem Gefahrengebietes befinden.

Krankheit

Lyme-Borreliose

Frühsommer-Menigoenzephalitis (FSME)

Erreger Bakterium:
Borrelia burgdorferi

Virus:
Frühsommer-Meningoenzephalitis-Virus

Welche Zecken tragen den Erreger? Zecken in allen Wäldern, wovon etwa 1/3 den Erreger tragen Nur Zecken in ganz bestimmten Wäldern, wovon etwa 1% den Erreger tragen.
Welche Organe können erkranken? Haut, Gelenke, Muskeln, Nervensystem, Herz Nervensystem
Ist eine Impfung möglich? nein ja
Ist ein Behandlung (Antibiotika) möglich? ja nein
Besteht nach der Krankheit eine Immunität? nein ja, lebenslänglich

 

Verbreitungsgebiete der FSME

Bekannte Naturherde (Infektionsgefahr hoch):

  • Aargau: Birr-Brugg-Würenlingen, Baden-Wettingen, Koblenz-Döttingen-Zurzach, Rheinfelden-Möhlin-Wallbach, Schöftland-Muhen-Gränichen
  • Bern: Belp, Erlenbach i.S., Gampelen, Grosses Moos, Lyss, Steffisburg, Thun-Spiez
  • Fribourg: Salvenach-Kriechenwil-Ulmiz-Kerzers
  • Graubünden: Fläsch-Luziensteig, Grüsch-Seewis
  • Luzern: Dagmersellen-Nebikon-Egolzwil (Santenberg)
  • Schaffhausen: Hallau, Osterfingen, Neuhausen-Beringen-Schaffhausen, Stein am Rhein
  • Solothurn: Bellach-Lommiswil-Langendorf
  • St. Gallen: Mels-Sargans-Vilters, Wagen-Jona-Rüti, Mörschwil
  • Thurgau: Aadorf, Affeltrangen-Oppikon-Friltschen, Diessenhofen-Basadingen, Ermatingen, Frauenfeld, Stettfurt-Weingarten-Thundorf, Weinfelden, Warth-Weiningen-Herdern-Nussbaumen
  • Zug: Steinhausen
  • Zürich: Andelfingen, Bülach, Effretikon-Bassersdorf, Eglisau, Ellikon a.R.-Rheinau, Flaach, Horgen, Kloten, Neerach-Bachs, Opfikon-Wallisellen-Dübendorf, Ossingen, Rüti-Jona-Wagen, Schottikon-Zünikon-Elgg, Sihltal, Stammheim, Thalwil, Unteres Glattal, Uster-Greifensee, Region Winterthur
  • Fürstentum Liechtenstein: Balzers-Vaduz-Nendeln

Verbreitungsgebiete der Lyme-Borreliose

siehe Karte.

Wie kann man sich schützen?

Kleider schützen vor Zeckenstichen. Wenn die Socken über den (langen) Hosen getragen werden, klettern die Zecken aussen den Kleidern entlang nach oben und können meist gesehen und entfernt werden, bevor sie eine Stelle zum Stechen erreicht haben. Mückensprays, die auf die Haut oder Kleider aufgetragen werden, sind auch gegen Zecken wirksam.

Entfernung der Zecken

Zum Schluss möchte ich mich noch kurz zum Entfernen dieser «niedlichen» Tiere äussern: Zecken sollten im Gegensatz zur lang verbreiteten Meinung nicht vorbehandelt werden (also nicht mit Öl, Nagellack, Haarspray u.a.). Zecken sollten so rasch als möglich entfernt werden, indem man sie am besten mit einer Pinzette, einer Zeckenzange oder einfach mit den Fingernägeln nahe an der Haut fasst und senkrecht herauszieht (nicht drehen). Sollten Teile der Zecke in der Haut bleiben, ist dies nicht weiter schlimm, da sie von der Haut selbständig nach aussen transportiert werden. Erst wenn sich einige Tage nach der Entfernung die Haut noch immer rötet oder entzündet oder die Symptome der LB oder von FSME auftreten, solltest du einen Arzt aufsuchen.

Allen Eltern möchte ich den Rat geben, sich nicht unnötig durch die Medien beunruhigen zu lassen. Sollten noch Fragen zu diesem Thema offen sein, wende Dich einfach an mich oder an deinen Hausarzt.

Zwirbel

Informationen teilweise von www.zecken.ch